BSW fordert gezielte Munitionsräumung im Müritz-Nationalpark: Schutz von Menschen und Rettungskräften muss Priorität haben
Die schweren Waldbrände dieses Sommers haben erneut gezeigt, wie gefährlich die Altlasten aus vergangenen Jahrzehnten für Menschen, Feuerwehren und Gemeinden in der Mecklenburgischen Seenplatte sind. Im Müritz-Nationalpark wurden die Löscharbeiten auf den rund 400 Hektar betroffenen Flächen durch im Boden liegende Munition erheblich erschwert. Teilweise war ein Einsatz der Feuerwehr in den betroffenen Bereichen überhaupt nicht möglich.
Für die BSW-Fraktion im Kreistag Mecklenburgische Seenplatte ist deshalb klar: Das Problem darf nicht weiter verdrängt werden. Gleichzeitig muss die Munitionsräumung dort ansetzen, wo sie den größten Sicherheitsgewinn bringt.
„Wir haben den Antrag zur Munitionsräumung bewusst eingebracht, weil die Ereignisse dieses Sommers gezeigt haben, dass wir handeln müssen. Die Beratungen in den Ausschüssen haben aber auch deutlich gemacht, dass eine flächendeckende Räumung von rund 16.000 Hektar weder kurzfristig möglich noch finanzierbar ist“, erklärt BSW-Fraktionsvorsitzender Maik Michalek.
Nach den Informationen des Ordnungsamtes sind im Landkreis nahezu 16.000 Hektar als kampfmittelbelastete Flächen erfasst. Rund 14.000 Hektar fallen dabei in die besonders gefährlichen Kategorien 3 und 4. Eine vollständige Räumung würde nach den derzeitigen Kapazitäten mehrere Jahrzehnte dauern.
Das darf jedoch kein Grund sein, gar nichts zu tun.
Die BSW-Fraktion spricht sich deshalb für eine klare Priorisierung aus: Ortschaften, Rettungswege, Feuerwehrzufahrten und strategisch wichtige Lösch- und Einsatzwege müssen vorrangig untersucht und – soweit erforderlich – von Kampfmitteln beräumt werden.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, kreuz und quer Schneisen durch den Nationalpark zu schlagen. Auch die Hinweise aus der Forstpraxis müssen berücksichtigt werden. Eine großflächige Räumung würde den Wald massiv verändern und wäre angesichts des Aufwandes weder sinnvoll noch realistisch.
„Wir müssen endlich weg von der Frage, ob wir theoretisch irgendwann den gesamten Wald räumen können. Entscheidend ist doch: Wie schützen wir heute und morgen die Menschen in Speck, Granzin, Kratzeburg, Federow, Schillersdorf, Neustrelitz und anderen betroffenen Orten?“, erklärt BSW-Kreistagsmitglied Norbert Schumacher.
Deshalb fordert das BSW einen kreisweiten Sondereinsatzplan für munitionsbelastete Gebiete. Darin muss eindeutig festgelegt werden, welche Wege Feuerwehren und Rettungsdienste im Brand- oder Katastrophenfall sicher nutzen können, welche Bereiche nicht betreten werden dürfen und wo gezielte Kampfmittelräumung dringend erforderlich ist.
„Ein Waldbrand kann sich innerhalb kürzester Zeit zu einer Katastrophe entwickeln. Wenn Feuerwehr und Rettungskräfte dann vor einem munitionsbelasteten Gebiet stehen und nicht weiterkommen, ist das keine theoretische Gefahr. Das haben die Brände dieses Jahres eindrucksvoll gezeigt“, so Schumacher.
Das BSW sieht dabei ausdrücklich auch den Bund in der Verantwortung. Die Altmunition ist ein historisches Erbe, dessen Beseitigung nicht allein den Kommunen und dem Landkreis aufgebürdet werden darf. Mecklenburg-Vorpommern und seine Kommunen brauchen dafür ausreichende finanzielle Mittel und zusätzliche Kapazitäten bei der Kampfmittelräumung.
„Wer über Jahrzehnte mit den Folgen dieser Altlasten leben muss, darf bei ihrer Beseitigung nicht allein gelassen werden. Sicherheit der Bevölkerung und Schutz unserer Einsatzkräfte müssen Vorrang haben“, betont Maik Michalek.
Die BSW-Fraktion will ihren Antrag auf Grundlage der Beratungen in den Ausschüssen weiterentwickeln und gemeinsam mit Fachleuten nach einer praktikablen Lösung suchen. Ziel sei ein Konzept, das realistisch, finanzierbar und vor allem sicherheitsorientiert ist.
Denn die Blindgänger bleiben im Boden – und der nächste Waldbrand kommt bestimmt.
